Das Liebesgedicht und die Kurzgeschichte

Wollten sich zwei Stile messen:

Kurzgeschichte
Der Mann berührt mit seinen Händen langsam mit einem verschmolzenen Blick in ihre Augen lächelnd,
die Finger des zarten Frauenhändchens seiner Geliebten und beugt sich, seine Augen genussvoll schließend,
zu ihrem Mund. Die Frau spürt die entspannte schöne Zärtlichkeit, in einen Hauch von wilder Aufregung in sich übergehen, als sich das warme Atmen ihren Lippen nähert.

Liebesgedicht
Aus ihren Augen strahlt Aufregung, die gefühlt,
ihr von sanft gemalt bis in Erregung aufgewühlt,
warm umarmt kräftig und zart,
sein Arm beschäftigt ward daran,
an ihrem Kleid, wie sie es spüren kann,
und gewagte Nähe fließt ein,
wo gerade noch das Tuch die Haut berührt,
nun seine vertraute Hand sie wollüstig verspürt.

Kurzgeschichte
Der Mann legte die Frau langsam auf das Sofa aus verschlingend weicher Polsterung
von ihrem Blick nicht abweichend, beider Augen von Heiterkeit, in einen, wenn auch noch nicht ausgesprochenen, aber sich ankündigenden prickelnd schönen Ernst übergehend….
..da ersticken plötzlich blöde Reime, die Liebesnacht im Keime,
denn das Liebesgedicht macht alles zu nicht…

Liebesgedicht
Ha! Versuchst dich holperig am Reimen…dir zu liebe lass dies sein…
und machst mich, gar nicht zu Recht, in deiner schlichten Geschichte schlecht,
sprecht, und zwar in Eile, Kurzgeschichte, mit Langeweile
du dem Leser, der gähnt und sich der gestohlen Zeit nachsehnt,
die weit und unerwähnt, vom Sein zum Gewesen, langweilig an dir gelesen…

Kurzgeschichte
Ohhh…siehe einer an, da ist aber nicht viel Liebe im Liebesgedicht…Heuchel’, heuchel..

Und so stritten die zwei Stile,
während unser Liebespaar sich der zwei entfernte,
und von Geschriebenem und Gelesenem
in die Realität übertrat.

Die versteckte Zitrone,

So herrlich grinsig sauer,
dass man sie hinter einem weißen Tuch verborgen hat,
so der Genuss hinter der Leinenmauer
mit dem ist Schluss, auf dass niemand hier mehr Sorgen hat.
Man konnte nur die aufregenden Wölbungen erkennen,
die von der Zitrone in das hüllende Tuch gezeichnet werden,
und die Idee des wunderbar sauren Bisses im Geist erleben.

So wie das Tuch um die Weiblichkeit,
das die Zartheit und Wildheit zugleich,
dieser zärtlichen Geschöpfe malt.

Oberlehrerhaftes Schweigen

schweige mich an:
damit ich darüber nachdenken kann
was ich denn falsches gesagt hab
schweig wie eingesargt im grab
lass es mich spüren,
bis reue und vorwurf mich berühren

Aber diesen Gefallen werde ich dir nicht machen,
Vom Schweigen werd ich nicht fallen, sondern herzhaft lachen.

Ich werde mir stattdessen ein Eis kaufen
und ein lustiges Lied vor mich hin pfeifen.

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