Die Winde

Und eine leise Melodie, man möge sie mit dem Wind verwechseln, so subtil und still und doch wahrnehmbar, wenn man lächelt könnt man sie hören, die Melodie. Sie erheitert einen kleinen Ort, irgendwo in der Wand. „Der holpe holpe Zirkusmann, der tanzt und singt manch dann manch wann, ist da“ freuen sich die Leute am Dorfplatz. Die Winde schlängelt sich mit ihren rührend blauen Trichterblüten an der Wand hinauf, darunter vier Denkende, durch deren Phantasie das Gemäuer gehalten wird, in dem das fröhliche Dorf tanzt, zu der zarten Melodie des Zirkusmannes. Um die Winde kann man ringförmige Gebilde erkennen, sie sehen aus wie Ezekiel-Wheels, nur halb durchsichtig. Einer von denen die in den oberen Ecken hoher Räume wohnen wird gefragt, ob er nicht herauskommen möchte um eines dieser Gebilde in das Dorf zu bringen. Von einem soghaften Geräusch begleitet, wird die Winde mit ihren schlinghaften Gezweige, in eine kleine Wandöffnung hineingesaugt oder gefressen. Die Anwesenheit von etwas gleich einer Stimme und gleich eines Gedankens spricht. „Der Zirkusmann ist nicht mehr in der Wand. Das Dorf verwelkt“ Schauder überkommt einen, bei der Vorstellung, wie blühendes Lächeln in verwelkendes Grinsen übergeht. Es ist nicht einmal in einem Gebäude, die Wand steht frei, in leerem Raum, nur gelblich weißer nebelhafter Boden, der ins Nichts führt, sonst nur Leere.

Das Liebesgedicht und die Kurzgeschichte

Wollten sich zwei Stile messen:

Kurzgeschichte
Der Mann berührt mit seinen Händen langsam mit einem verschmolzenen Blick in ihre Augen lächelnd,
die Finger des zarten Frauenhändchens seiner Geliebten und beugt sich, seine Augen genussvoll schließend,
zu ihrem Mund. Die Frau spürt die entspannte schöne Zärtlichkeit, in einen Hauch von wilder Aufregung in sich übergehen, als sich das warme Atmen ihren Lippen nähert.

Liebesgedicht
Aus ihren Augen strahlt Aufregung, die gefühlt,
ihr von sanft gemalt bis in Erregung aufgewühlt,
warm umarmt kräftig und zart,
sein Arm beschäftigt ward daran,
an ihrem Kleid, wie sie es spüren kann,
und gewagte Nähe fließt ein,
wo gerade noch das Tuch die Haut berührt,
nun seine vertraute Hand sie wollüstig verspürt.

Kurzgeschichte
Der Mann legte die Frau langsam auf das Sofa aus verschlingend weicher Polsterung
von ihrem Blick nicht abweichend, beider Augen von Heiterkeit, in einen, wenn auch noch nicht ausgesprochenen, aber sich ankündigenden prickelnd schönen Ernst übergehend….
..da ersticken plötzlich blöde Reime, die Liebesnacht im Keime,
denn das Liebesgedicht macht alles zu nicht…

Liebesgedicht
Ha! Versuchst dich holperig am Reimen…dir zu liebe lass dies sein…
und machst mich, gar nicht zu Recht, in deiner schlichten Geschichte schlecht,
sprecht, und zwar in Eile, Kurzgeschichte, mit Langeweile
du dem Leser, der gähnt und sich der gestohlen Zeit nachsehnt,
die weit und unerwähnt, vom Sein zum Gewesen, langweilig an dir gelesen…

Kurzgeschichte
Ohhh…siehe einer an, da ist aber nicht viel Liebe im Liebesgedicht…Heuchel’, heuchel..

Und so stritten die zwei Stile,
während unser Liebespaar sich der zwei entfernte,
und von Geschriebenem und Gelesenem
in die Realität übertrat.

Liebesinflation – eine seltsame Kurzgeschichte

Eine nervenkitzlige Dame wurde bei einem Ladendiebstahl gefasst.
Ein junger Ladendetektiv nahm sie mit und stellte sie in den Verhörraum.
Sie wollte gar nicht stehlen um sich zu bereichern, sondern wegen dem Adrenalinkitzel, hieß es aus ihrem Mund.
Trotzdem wurde sie mit einer äußerst seltsamen Strafe belegt, die zwar süß wie Karamell klang,
aber sich als bitter wie Calea zacatechichi herausstellen sollte.
Ihre Weiblichkeit wurde mit einem Lichterglanz hervorgehoben und „die in den oberen Ecken hoher Räume wohnen“ gaben ihr auch eine unkontrollierbar verführerische Ausstrahlung.

Es wurde zu ihr gesprochen: „Ihre Strafe soll sein, Madame Ladendieb, dass Sie jeder Mann haben möchte. Nicht einmal verheiratete oder solche, die auf Männer stehen, nein, nicht mal Mönche die sich der Askese verschrieben haben können Ihnen ab jetzt widerstehen. Nach einiger Zeit werden Sie sich nichts mehr wünschen als einen einzigen Mann, der Sie ablehnt. Ihre Neingier wird bedeutender als Ihr Durst sein.“

„Mit so einer Strafe…“ dachte die Dame erheitert und spöttisch „…kann ich leben. Ha! Jeder Mann wild auf mich, cool. “

1 Jahr später.

In einem hohen Zimmer steht ganz unten am Boden ein alter staubiger Fernseher aus Gelatine. Darin sieht man, in flimmernden Bildern, wie ein Psychiater von Polizisten abgeführt wird. Ihm wird vorgeworfen, so die Nachrichtensprecherin, einer Patientin aus Liebe, auf deren Wunsch eine Überdosis Schlafmittel verabreicht zu haben.

„Hätte doch nur einer Nein sagen können… Hätte ihr nur ein Einziger widerstanden…“ floß es aus dem traurigen Ladendetektiv und dieser humpelte aus dem Geschäft in Richtung Schlafplatz.

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